Archiv für Mai 2017

Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Erinnerung an Auschwitz


Vortragsveranstaltung
Referent: Michael Sturm (Historiker, Münster)
17.05.17 um 19:00 Uhr im druckluft

Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Erinnerung an Auschwitz

Zwischen Ritualisierung, Sinnstiftung und kritischer Auseinandersetzung

Das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz gilt als Synonym für die präzedenzlosen Verbrechen des Nationalsozialismus. In der deutschen Erinnerungskultur, aber auch in europäischen und globalen erinnerungskulturellen Diskursen kommt „Auschwitz“ somit eine zentrale Bedeutung zu. Die politischen und moralischen Ansprüche und Projektionen, die sich an das Gedenken an Auschwitz knüpfen, waren und sind jedoch höchst unterschiedlich. In der Bundesrepublik wie auch in der DDR spielte das ehemalige Konzentrations- und Vernichtungslager in den jeweils hegemonialen Geschichtskulturen bis in die 1960er Jahre eine untergeordnete Rolle. „Auschwitz ist ein Ort in Polen“ lautete etwa eine gängige Formel in der Bundesrepublik, die in Zeiten des Kalten Krieges gesellschaftlich weit verbreitete Schuldabwehr, Ignoranz und Verdrängung beispielhaft zum Ausdruck brachte. Mittlerweile gilt das Gedenken an Auschwitz jedoch als Teil der deutschen „Staatsraison“. Aber auch in europäischen und globalen Kontexten wird der Verweis auf „Auschwitz“ zu Legitimierung oder Delegitimierung gegenwartsbezogener politischer Absichten genutzt. In dem Vortrag sollen die Entwicklungen und die Funktionen der unterschiedlichen erinnerungskulturellen Diskurse um Auschwitz nachgezeichnet werden. Diskutiert werden soll aber auch, weshalb die Erinnerungskulturen vor allem auf Auschwitz fokussiert sind, andere Schauplätze der nationalsozialistischen Verbrechen, wie beispielsweise die Vernichtungslager der Aktion Reinhardt, Belzec, Sobibor und Treblinka, im öffentlichen Bewusstsein weitaus weniger präsent sind.