Protestnote: Schule mit Rassismus? – Die AfD ist kein demokratischer Gesprächspartner

Wir dokumentieren hier öffentlich unsere Protestnote gegenüber der Beteiligung der AfD an einer Podiumsdiskussion am 09.03.2017 am Bertha-von-Suttner-Gymnasium (Oberhausen).

Sehr geehrte Damen und Herren der Presse,
Sehr geehrter Herr Von Tettau und sehr geehrter Herr Gohe,
lieber Paul S. und andere Angehörige der SV,
liebe Bertha Antifa-AG,

wir mussten erschrocken zur Kenntnis nehmen, dass an eurer und Ihrer Schule am 09.03. eine Podiumsdiskussion zum Thema Landtagswahl abgehalten wurde, zu der – als vermeintlich „normale“ Partei unter anderen – auch ein Oberhausener Vertreter (Wolfgang Kempkes) der „Alternative für Deutschland“ (AfD) teilgenommen hat.
Der Höcke-Sympathisant Wolfgang Kempkes, Vorstands-Vortänzer des Oberhausener AfD-Kreisverbandes, gehört innerhalb NRWs zum rechten Flügel der Partei. In der Vergangenheit fiel er insbesondere durch Geflüchtetenfeindlichkeit, antimuslimischen Rassismus und antifeministische Hetze auf.

Wir sprechen uns entschieden gegen die Aufnahme von Gesprächen mit der AfD aus. Die AfD forciert einen aggressiven Rechtspopulismus über welchen sie im Kern jeder Argumentation menschenverachtende Inhalte, etwa in Gestalt von Rassismus, Sexismus oder völkischem Nationalismus, verbreitet. Schon dieser Umstand schafft Unvereinbarkeiten mit einer sachlich geführten Debatte auf dem Boden von Gleichheitsgrundsätzen und Meinungsfreiheit sowie dem Veranstaltungsort einer öffentlichen Schule unter staatlicher Aufsicht.
Als solche hat das Bertha-von-Suttner-Gymnasium eine pädagogische Verantwortung und folgt einem demokratischen Bildungsauftrag, den man möglicherweise pointiert zusammenfassen könnte mit: Rassismus gehört auf den Lehrplan, nicht aufs Podium. Inwiefern also eine rassistische Sicht auf Gesellschaft und derart gestaltete „Lösungsangebote“ von Grenzen zu über Islamgefahr/Kopftuchverbot bis Schießbefehl dem „Miteinander leben“ dienen, dem Ort Schule gerecht werden, oder zu einer „Förderung des politisch-historischen und des Gegenwartsbewusstseins“ beitragen kann, wie schließlich ein Teil des selbst-gegebenen Fundamentes des Schulprogramms vom Bertha-von-Suttner-Gymnasiums besagt, wird uns nicht ersichtlich.

Das Bertha als Träger der „Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage“-Plakette, als Schule mit offenbar 30 Jahre bestehender Antifa-AG (welche zuletzt z. B. sogar mehrere Stellwände zu den Themen Rechtspopulismus und AfD erstellt hat, welche im Foyer ausgestellt wurden), einer engen Zusammenarbeit etwa mit der Gedenkhalle Oberhausen, die aktive Beteiligung an den Stolpersteinverlegungen, Rock-gegen-Rechts-Konzerte und einigem weiteren offenem Engagement gegen Rassismus und rechte Gesinnung, hat mit dieser Entscheidung, in unseren Augen, kein rühmliches und ein widersprüchliches Licht auf sich geworfen.
Wer einander mit „Achtung, Anerkennung, Toleranz und Rücksicht“ begegnen will und auf einen vorgeblich „freundlichen und respektvollen“ Umgang „ohne sprachliche und körperliche Gewalt“ (aus Ihrem Schulvertrag) setzt, kann und darf nicht dem parlamentarischen Rückgrat des gesellschaftlichen Rechtsrucks und der Partei der geistigen Brandstiftung willfährig ein Agitations- und Propagandaforum bieten. Wir würden uns freuen, wenn insbesondere über diesen Widerspruch auf der nächsten SV-Sitzung und Lehrerkonferenz gesprochen würde.

Zur Strategie der AfD gehört weiterhin mittels gezielter Provokation mediale Aufmerksamkeit zu generieren, sodann Dementi verlautbaren zu lassen aber das damit einhergehende Ziel trotzdem zu erreichen: Stichwortvorgabe im Diskurs und Verschiebung der Sagbarkeitsgrenzen nach rechts. Der Erfolg dieses Vorgehens wird verstärkt durch die voranschreitende Inszenierung der AfD als „kleine Volkspartei“ in der sog. Mitte der Gesellschaft. Dazu gehören etwa Zeitungs-Interviews mit AfD-Funktionär*innen, ein großer Sprechanteil in Polittalkshows oder eben die Teilnahme am kommunalen politischen Austausch, wie bei einer Podiumsdiskussion.

Mit dieser Entscheidung habt ihr und haben Sie der AfD ein Stück Boden geschenkt, den sie nutzen kann sich darin weiter zu verankern und ihre Machtbasis dementsprechend auszubauen.

In der Hoffnung auf Einsicht in die von uns vorgetragenen Argumente, verbleiben wir dabei, euch nicht entmutigen zu wollen in eurem SV-Engagement, die AfD-Beteiligung an der Podiumsdiskussion jedoch scharf zu verurteilen.

Antifa Oberhausen

AfD - Menschenverachtung ist keine Alternative!


0 Antworten auf „Protestnote: Schule mit Rassismus? – Die AfD ist kein demokratischer Gesprächspartner“


  1. Keine Kommentare

Antwort hinterlassen

XHTML: Du kannst diese Tags benutzen: <a href=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote> <code> <em> <i> <strike> <strong>


− vier = drei